WIRTZ: GROSSE PLÄNE MIT GRÜN-WEISS BRAUWEILER

Hans-Joachim Wirtz (Zweiter von rechts): "Der ganze Verein wird Florian und der DFB-Elf die Daumen drücken."

[Foto: GW Brauweiler)

WIRTZ: GROSSE PLÄNE MIT GRÜN-WEISS BRAUWEILER

Am letzten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga Bayer 04 Leverkusen gegen Werder Bremen gucken oder das Herren-Bezirksliga-Match von Grün-Weiß Brauweiler bei Rhenania Lohn? Für Hans-Joachim Wirtz war das am Pfingstmontag eine schwere Entscheidung, schließlich spielt seine Tochter Juliane bei den Hansestädtern und an diesem Nachmittag praktischerweise auch noch vor der Haustür.

Der 70-Jährige machte sich den Entschluss nicht leicht – und fuhr nach Eschweiler, wo die erste Mannschaft seines Heimatklubs auf dem Rasenplatz in der Rosenstraße eben gegen die dortige Rhenania bestehen musste und etwas glücklich mit einem 1:0-Sieg den Aufstieg in die Landesliga Mittelrhein schaffte.

Die Episode zeigt, wie bodenständig der Papa von Nationalspieler Florian Wirtz ist. Zwischen Deutscher Meisterschaft und zwei Endspielen, eins in der Europa League und eins im DFB-Pokal, ist der Vorsitzende und Jugendleiter des SV GW Brauweiler selbstverständlich auf den Amateurplätzen unterwegs.

FUSSBALL.DE: Herr Wirtz, wie war die Meisterfeier am Samstag in Leverkusen?

"Es kann sein, dass Jungs oder Mädchen wegen Florian hierherkommen, allerdings sind wir kein Verein für Leistungssport, sondern möchten Breitensport für Alle anbieten"

Hans-Joachim Wirtz: Sehr schön! Für Bayer 04 war es etwas ganz Besonderes, diesen Titel zu holen, und natürlich wurde das dementsprechend gefeiert. Allerdings wissen die Mannschaft sowie der Trainer- und Betreuerstab, dass noch zwei ganz große Spiele bevorstehen, daher wurde es nicht allzu spät. Meine Frau und ich waren mit dem Fahrrad da und gegen viertel nach eins zu Hause (lacht) .

Was bedeutet der Erfolg von Bayer 04 in dieser Saison für Ihren und Florians Heimatverein Grün-Weiß Brauweiler?

Wirtz: Einerseits empfinden es viele Leute hier im Verein als Ehre, dass ein Spieler von uns, ein Junge, der hier aufgewachsen ist und den fast alle persönlich kennen, solch eine Entwicklung genommen hat. Wegen Flo und dem sportlichen Erfolg sind sie jetzt auch Bayer-04-Fans, die Sympathie für Leverkusen ist groß geworden, aber. Die meisten in Brauweiler sind Kölner und halten zum FC. Das ist natürlich gerade jetzt, da Bayer Deutscher Meister geworden ist und noch zwei Titel holen kann, der FC hingegen aus der Bundesliga abgestiegen ist, ein ziemlicher Zwiespalt.

Ist bei Grün-Weiß Brauweiler denn ein gewisser Wirtz-Effekt zu spüren?

Wirtz: Das kann ich gar nicht richtig beurteilen, denn natürlich fragen wir die Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden, nicht nach dem Grund dafür. Florian ist oft hier, schaut sich regelmäßig Spiele der ersten oder dritten Mannschaft an und daher sehr präsent im Verein. Es kann daher sein, dass Jungs oder Mädchen deswegen hierherkommen, um ihm nachzueifern, allerdings sind wir kein Verein für Leistungssport, sondern möchten Breitensport für alle anbieten.

Sie haben Ihren Sohn Florian bei Grün-Weiß Brauweiler selbst trainiert, als er noch ein kleiner Junge war. War sein riesiges Talent schon ganz früh zu erkennen?

Wirtz: Florian hat schon sehr früh angefangen, Fußball zu spielen, da war er noch keine drei Jahre alt. Erst kickte er immer bei uns im Garten, dann, ab vier, im Verein. Er kam über die Bambini-Mannschaft schnell zu den F-Junioren, und da konnte man schon sehen, dass er etwas am Ball kann. Wir haben uns da aber noch keine Gedanken darüber gemacht, dass er mal zu einem Leistungszentrum wechseln würde, denn wir hatten eine gute Jugend, und Florian konnte sich bei uns gut entwickeln. Als er acht war, ist er dann aber zum FC gewechselt und so ging es dann weiter.

Ist im jetzigen Brauweiler-Nachwuchs ein neuer Florian Wirtz zu finden?

Wirtz: Das ist immer schwer zu sagen, in dem Alter entwickeln sich die Kinder ja ganz unterschiedlich. Wie schon gesagt, haben wir eine andere Ausrichtung und möchten den Kindern und Jugendlichen in unserer Umgebung Fußball vor ihrer Haustür anbieten. Wir können uns daher im Nachwuchsbereich einen Zusammenschluss mit den benachbarten Vereinen TuS BW Königsdorf und SV Lövenich/Widdersdorf gut vorstellen. Es wäre toll, wenn die Kids mit dem Fahrrad zum Training fahren und gemeinsam kicken könnten. Gespräche darüber hat es schon gegeben, aber wir sind leider noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Wie bekommen Sie alles unter einen Hut, bei den vielen Spielen Ihres Sohnes Florian vor Ort live dabei zu sein, und trotzdem die Vereinsarbeit in Brauweiler nicht zu vernachlässigen?

Wirtz: Das klappt schon ganz gut, auch wenn meine Frau manchmal sagt, ich wäre mit dem Sportplatz verheiratet (lacht) . Wir haben jetzt ein größeres Projekt vor uns, denn unsere Platzanlage an der Donatusstraße in Pulheim platzt aus allen Nähten. Wir haben inzwischen 39 Teams im Spielbetrieb und bräuchten einen größeren Umkleidetrakt. Die Stadt hat uns zwar ein Gebäude dafür in Aussicht gestellt, aber bis es so weit ist, kann es leider noch ein wenig dauern. Wir hoffen nun, dass wir spätestens Ende dieses Jahres mit den Bauarbeiten anfangen können.

Wird es zu Bayers Europa-League-Finale am Mittwoch gegen Atalanta Bergamo oder zum DFB-Pokalfinale am Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Public Viewing auf der Sportanlage in Pulheim-Brauweiler geben?

Wirtz: Das ist nicht angedacht, aber zur EM wollen wir im nahegelegenen Jugendhaus Zahnrad die Möglichkeit schaffen, gemeinsam die Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu gucken. Und dann wird sicher der ganze Verein Florian und der DFB-Elf die Daumen drücken.

Autor/-in: Günter Schneider

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