Die Motivation fürs Ehrenamt ergibt sich aus verschiedenen Funktionen, die die ehrenamtliche Tätigkeit erfüllt. Unterschieden werden können mindestens sechs Funktionen:
1. Wertefunktion: Hier dient die ehrenamtliche Tätigkeit dazu, einen Wert aufrecht zu erhalten und mit Leben zu füllen. Ein Vereinsvorstand kann sich beispielsweise engagieren, weil ihm „Solidarität“ wichtig ist. Weitere Werte könnten aber z.B. auch „Verantwortung“ oder „Gemeinschaft im Dorf“ sein. Motivation schöpfen Ehrenamtliche daraus, dass Werte durch das Handeln erfüllt werden. Das Handeln wird als wichtig und sinnvoll erlebt. Die Tätigkeiten müssen jedoch nicht unbedingt Spaß machen. Dies ist anders bei der Erfahrungsfunktion.
2. Erfahrungsfunktion: Hier stehen die Erfahrungen, die im Zuge der ehrenamtlichen Tätigkeit gesammelt werden im Fokus. Die Tätigkeit macht Spaß und bereit Freude.
3. Karrierefunktion: Hier stehen Vorteile für die berufliche Laufbahn im Vordergrund. Die Mitarbeit im Verein kann beispielsweise dienen, Kontakte zu knüpfen, die sich später auszahlen. Auch kann das Sammeln von Erfahrungen als nützlich für den Lebenslauf gesehen werden.
4. Schutzfunktion: Durch die ehrenamtliche Tätigkeit können Alltagssorgen beiseitegeschoben werden. Ehrenamt schützt vor negativen Emotionen und lenkt davon ab.
5. Selbstwertfunktion: Durch die ehrenamtliche Tätigkeit wird der Selbstwert gesteigert, was motivierend wirkt. Ehrenamtliche erleben, dass sie gebraucht werden und sie als Mensch wichtig sind.
6. Soziale Anpassungsfunktion: Die Motivation ehrenamtlich tätig zu sein, rührt daher, dass andere Personen im Umfeld ehrenamtlich tätig sind oder es den Personen wichtig ist. Ehrenamtliche tun dann diesen Menschen einen Gefallen. Wenn beispielsweise die Eltern der Schulfreunde des eigenen Kindes sich im Verein engagieren, kann dies ein Grund sein, sich auch zu engagieren.
Menschen unterscheiden sich dahingehend, wie wichtig die einzelnen Funktionen für sie sind. Für den einen spielen Wertefunktionen eine zentralere Rolle als die sozialen Anpassungsfunktionen.
Die sechs Funktionen unterscheiden sich auch dahingehend, ob die Motivation eher aus einem innerem Antrieb erfolgt oder durch äußere Anreize oder Erwartungen anderer gesteuert ist. Bei ersterem ist die ehrenamtliche Tätigkeit Selbstzweck und fester Bestandteil der eigenen Persönlichkeit. Die Menschen identifizieren sich mit dem Ehrenamt und die Tätigkeiten bereiten ihnen Freude. Dies ist eher der Fall, wenn die Werte- und Erfahrungsfunktion stark ausgeprägt ist.
Diese Form der Motivation führt ferner dazu, dass sich Menschen im Ehrenamt selbstbestimmt erleben: Dies fördert Leistung, Kreativität und Gesundheit. Zudem gibt es zentrale menschliche Bedürfnisse, die im Ehrenamt oft erfüllt werden können:
- Menschen können ihre Stärken unter Beweis stellen.
- Menschen wollen Teil einer Gemeinschaft und gleichzeitig unabhängig sein.
Motivation und Bedürfnisse sind entscheidende Faktoren, warum sich Menschen engagieren. Für Organisationen wie den Sport, aber auch andere Vereine und Verbände, ist es von Bedeutung, diese Faktoren positiv zu nutzen und die Begeisterung der Menschen, sich einbringen zu wollen, zu fördern und zu unterstützen.
