Kölner Stadtanzeiger vom 05.02.26
Rhein-Erft-Kreis. Der gebürtige Opladener Norbert Szyszka (65) ist seit seinem 18. Lebensjahr Fußball-Schiedsrichter. Mittlerweile wohnt der frühere Verkaufsleiter der Verpackungsindustrie als Rentner in Bedburg und ist Vorsitzender im Kreisschiedsrichterausschuss im Fußballverband Mittelrhein. Seine Fußballschuhe hatte er für Viktoria Frechen geschnürt. Spiele pfiff er bis zur Verbandsliga, der heutigen Mittelrheinliga. Hansi Ehlert hat mit ihm im Rahmen des Neulingslehrgangs gesprochen.
Wann ist Ihre Entscheidung gereift, Schiedsrichter zu werden?
Ich habe mir damals sonntags öfters Spiele der Jugend im Frechener Herbertskaul angesehen. Das ist einem Schiedsrichter aufgefallen, der mich gefragt hat, ob ich nicht selber Schiedsrichter werden wollte, da ich ja sowieso auf dem Fußballplatz wäre. Danach habe ich mich wirklich dafür angemeldet.
Welche Aufgaben haben Sie beim FVM?
Meine Aufgaben sehe ich in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Werben von neuen Schiedsrichtern. Im Kreis bin ich Hauptansprechpartner für alle Vereine. Eigentlich mache ich bis auf Spielansetzungen alles, zumindest aushilfsweise.
Gab es damals Anfeindungen nach dem Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer?
Von den Zuschauern wurde schon mal nach einer Entscheidung, die denen nicht passte, doch mal das Wort „Hoyzer!“ reingerufen.
Welche Fehlentscheidung ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Ich bewerte das, was ich es wahrgenommen habe. Wenn ich meine Wahrnehmung gewertet habe, treffe ich eine Entscheidung. Eine Fehlentscheidung ist für mich etwas Bewusstes.
Haben Sie sich von einem Spieler schon mal umstimmen lassen?
Da kann ich mich genau dran erinnern. An der rechten Eckfahne habe ich auf Abseits entschieden und gepfiffen. Der Spieler deutete auf einen Gegenspieler an der linken Eckfahne, der das Abseits aufgehoben hatte. Das war definitiv so. Das
Spiel wurde dann mit Schiedsrichterball fortgeführt.
Nehmen Sie von außen Rufe wahr?
Wenn es Belangloses ist, geht es links rein und rechts wieder raus. Bei verbalen Beleidigungen werde ich aktiv, sollte ich die Personen lokalisieren können. Dann habe ich das Spiel unterbrochen und diese Personen gezielt angesprochen und damit gedroht, sie beim nächsten Mal der Anlage zu verweisen. Danach konnte ich die Partien in Ruhe weiterleiten.
Was halten Sie vom sogenannten Kölner Keller?
Das Kommerzielle im Profibereich wird beim Fußball immer wichtiger. Den Videobeweis finde ich persönlich eine gute Sache. Ich erinnere mich noch an das erste Spiel, als der Videobeweis eingeführt worden war. Ich glaube, es war Bayern München gegen Bayer 04 Leverkusen. Nach einer Flanke ist Robert Lewandowski in den Rücken gestoßen und am Kopfball gehindert worden. Es wäre wohl ein Tor geworden. Kein Spieler der Bayern oder die Bank hatten sich beschwert, doch der Kölner Keller griff ein. Es war deutlich zu erkennen und es gab Strafstoß. Für mich war dieses Eingreifen die Berechtigung für den Videobeweis.
Was ist Ihrer Meinung nach der Ansporn der momentan im Lehrgang befindlichen 45 angehenden Jungschiedsrichter in der Abtei Brauweiler, Unparteiischer zu werden?
Ich glaube schon, dass der monetäre Anreiz stark ausschlaggebend ist. Für die Spielleitungen bei der D- und C-Jugend erhalten die Jungschiedsrichter 25 Euro. Sollten sie mit 16 Jahren auch sonntags die A-Jugend pfeifen, für das es 30 Euro gibt, und am Nachmittag an der Linie stehen, kommt ein junger Schiedsrichter am Wochenende auf gut 100 Euro. Der finanzielle Anreiz geht bei vielen aber auch in Leidenschaft über.
